Das Dessau - Wörlitzer Gartenreich

Letztes Update: 01.05.2019

Das Dessau-Wörlitzer Gartenreich ist eine bedeutende Kulturlandschaft in Sachsen-Anhalt. Es beinhaltet einige bedeutenden Bauten sowie Landschaftsparks nach Vorbild der englischen Gärten. Heute umfasst das Gartenreich eine Fläche von ca. 142 km². Das Dessau-Wörlitzer Gartenreich erstreckt sich entlang der Elbe innerhalb des Biosphärenreservates Mittelelbe. Seit dem Jahre 2000 gehört es zum UNESCO-Welterbe. Es umfasst zum Beispiel die Schlösser und Parks Luisium, Georgengarten, Mosigkau, Großkühnau, Leiner Berg, Sieglitzer Berg, Oranienbaum und Wörlitz Park.
Begründet wurde der Landschaftspark bei Dessau durch Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau. Als Fürst der Aufklärung suchte er für seine Gärten Vorbilder, die sich an der Natur orientierten. Beispielsweise Stourhead und Ermenonville.
Im Gartenreich finden sich auch zahlreiche Kirchen, die bereits während der Gründungszeit entstanden, umgebaut und/oder erweitert wurden. Zu nennen wären unter anderem die Kirchen in Dessau-Waldersee (Jonitz, 1722-1725), Dessau-Mosigkau (1789), Dessau-Mildensee (Pötnitz, 1804-1806) und Dessau-Großkühnau (1828-1830). Erwähnt werden müssen aber auch die Kirchen in Oranienbaum (1707-1712), Riesigk (1797-1800), Vockerode (1810-1812) und Horstdorf (1872). Nicht zu vergessen die St. Petri Kirche (1804-1809) inmitten des Wörlitzer Parks.
Den wohl bedeutendsten und bekanntesten Teil des Gartenreiches bilden die Anlagen des Wörlitzer Parks mit seinem Schloss.

 
Amaliengrotte, Wörlitzer Park
 

Historische Entwicklung Schloss und Wörlitzer Anlagen
Die Wörlitzer Anlagen sind in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstanden. Die ersten Veränderungen an der etwa hundert Jahre alten barocken Vorgängeranlage begannen 1764 nach der Rückkehr des Fürsten Leopold III. Friedrich Franz von seiner ersten Englandreise. Hier hatte er die entscheidenden Impulse zu Möglichkeiten einer symbolhaften Umsetzung seiner humanistischen, der Aufklärung verpflichteten Ideen in landschaftliche Parkgestaltungen erhalten. Zunächst wurde in unmittelbarer Nachbarschaft des barocken Schlosses ein kleiner Landschaftsgarten angelegt und der Englische Sitz am Schwanenteich errichtet. Ihm gegenüber, am anderen Ufer des Sees, wurde das Nymphaeum als Blick- und Aussichtspunkt zugleich erstellt. Vorher hatte sich hier ein Eiskeller befunden, der nun in die Gestaltung einbezogen wurde.
1768/69 wurde das Barockschloss abgerissen und an dessen Stelle das erste klassizistische Landhaus nach dem Entwurf des Architekten und Freundes Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff errichtet. Von der barocken Gartenanlage wurden die Lindenbosketts, von nun an frei wachsend, übernommen, sie bildeten die tragende Grundstruktur des neuen Schlossgartens.
Eine Gebäudezeile des alten Ortes vor dem Landhaus wurde abgerissen, um Raum für die gewünschte natürliche Wirkung des Bauwerks in freier Landschaft zu gewinnen. Der angrenzende Kirchhof wurde in einen Gartenraum umgestaltet, ein neuer Friedhof am östlichen Ortseingang angelegt.
Zwei aufeinanderfolgende Hochwasserkatastrophen 1770/71 zerstörten die ersten Gestaltungen in den tiefer liegenden Gartenbereichen. Mit den gewonnenen Erfahrungen und den Eindrücken einer zweiten Englandreise wurden die Gestaltungen zwischen 1770 und 1790 erneuert und auf den Garten nördlich des Wörlitzer Sees, später nach dem betreuenden Gärtner, Johann Leopold Ludwig Schoch (1728 - 1793), "Schochs Garten" genannt, weiter ausgedehnt. Dabei waren die bereits geschaffenen Blickpunkte, hier Nymphaeum und Gärtnerhaus (Gotisches Haus, 1773 begonnen), Ausgangspunkte für die weitere Gestaltung der umliegenden Gartenbereiche. In dieser Phase der Entstehungszeit sind stark differenzierte Gartenräume und lange schmale Sichtbeziehungen charakteristisch.
Eine dritte Gestaltungsphase begann in den östlichen Partien der Wörlitzer Anlagen. "Der Fürst verließ sich nun als dilettierender Gestalter bereits auf die in Frankreich und England geschulten Kenntnisse des Gärtnersohns Johann George Schoch (1758-1826), der die neuen Partien im Osten des Gartens ausführen durfte. Vorher hatten sein Vater (...) und die anderen Gärtner eher die Ausführung der vom Fürsten und seinem Freund Erdmannsdorff erdachten Raumkonzeptionen in das Gelände übertragen müssen. Die Gestaltungen Schochs d. J. am Schmalen See und am Großen Walloch unterlagen dem Einfluss der Gärten Lancelot Browns, dessen Ausnutzung der "Capabilities" Schoch in England studiert hatte (...) Alles sollte so wirken, als hätte die Natur diese Gestaltungen wie zufällig entstehen lassen."
(L. Trauzettel, Wörlitzer Anlagen - Ein Traum wurde geschaffen In: Das Gartenreich Dessau-Wörlitz, S. 29 f.)

In den bereits fertiggestellten Gartenteilen entstanden inzwischen die ebenfalls von den Reiseeindrücken geprägten zahlreichen Parkarchitekturen Erdmannsdorffs. Die Arbeiten waren um 1800 im Wesentlichen abgeschlossen.
Nach Jahrzehnten der Pflege begann dann eine Zeit des Pflanzens und Sammelns botanischer Besonderheiten. Die kurzlebigen Obstbäume und die Pyramidenpappeln wurden nicht mehr "artgerecht" nachgepflanzt, Modegehölze hielten Einzug. Sie veränderten die Parkräume, die Pflanzenartenzusammensetzung und Stimmungsbilder.
Seit 1982 werden auf der Grundlage eines abgestimmten Handlungskonzeptes gärtnerische Restaurierungsmaßnahmen durchgeführt, deren Ziel es unter anderem ist, die Eigenarten der jeweiligen Einzelgärten wieder herauszuarbeiten und ihre Verknüpfung durch Sichtbeziehungen wiederherzustellen. Einen Schwerpunkt bildet die Nachpflanzung historischer Gehölzarten, insbesondere Obstgehölze.

Quelle: Gartenträume, Land Sachsen - Anhalt

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