Das Luisium
Letztes Update: 01.05.2019
Das kleine Schlösschen Luisium ließ Fürst Leopold III. Friedrich Franz (Vater Franz) für seine Gemahlin Luise (1750 bis 1811) bauen. Das klassizistische Schloss (1774 bis 1778) ist ein Meisterwerk von Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff, welches ausgewogene Proportionen aufweist. Die kleinen Räume des bezaubernden Landhauses (Belvedere) sind noch weitgehend original ausgestattet. Im Jahre 1780 wurden Garten und Haus nach Luise benannt. Die Parkanlagen wurden von Johann Friedrich Eyserbeck gestaltet.

Der umgebene englische Garten ist mit zahlreichen Plastiken und Bauwerken ausgestattet. Dazu zählen der Pegasusbrunnen, die Orangerie, die Torhäuser, der Ruinenbogen und das neugotische Schlangenhaus.
In unmittelbarer Nähe des Schlosses befindet sich ein Gestüt. Auf den weitläufigen Wiesenflächen weiden Pferde, früher sah man hier auch noch Schafe und Ziegen.

Eine vom Luisium ausgehende Sichtachse trifft auf die Walderseer Kirche mit ihrem markanten Obelisken. Dort befinden sich die Gräber von Fürst Leopold III. Friedrich Franz und Luise.
 
Schloss Luisium
 
Schloss Luisium
 
der Ruinenbogen und die "verschleierte weibliche Figur"
 

Historische Entwicklung Schloss und Park Luisium
Die Vorgängeranlage des Luisiums war ein barocker Park, der so genannte "Vogelherdt", der Fürst Leopold I. von Anhalt-Dessau gehörte. Er überließ die Anlage 1728 seinem Hofmarschall. Aus der Kaufurkunde geht hervor, dass bereits ein Obstgarten dazugehörte.

Nach Weiterverkauf 1736 wird der Vogelherd 1753 durch Fürst Dietrich für sein Mündel, den Erbprinzen Fürst Leopold III. Friedrich Franz zurückerworben. Es wurde ein kleines Schloss gebaut, in dem der Erbprinz einen Teil seiner Jugendzeit verbrachte. Wahrscheinlich diente es zugleich auch als Jagdsitz; ein weit in die Auenwälder ausgreifender dreistrahliger barocker Jagdstern wurde in die spätere Gestaltung des Landschaftsparks einbezogen.

Nach seinem Regierungsantritt 1758 stellte Fürst Leopold III. Friedrich Franz im Jahre 1762 Johann Friedrich Eyserbeck als Hofgärtner für den Park am Vogelherd ein. Im selben Jahr wurde die Allee zwischen Jonitzer Mühle und Vogelherd als Verknüpfung zwischen Stadtschloss und Haupteingang zum Park angelegt. Die intensiven Gestaltungen begannen erst mit dem Jahr 1774, als die Fürstin Luise die westliche Hälfte des Parks als Sommersitz geschenkt bekam, während der Nutzgarten im Besitz des Fürsten blieb.
Die Grundsteinlegung für das neue Schloss, das treffender als Landhaus zu bezeichnen ist, erfolgte an der Stelle des abgerissenen Vorgängerbaus; bereits 1778 wurde es zeitweilig als Wohnsitz genutzt. Zeitgleich mit dem Schlossbau erfolgte auch die Gestaltung des näheren Umfeldes.

Mit Errichtung der Chinesischen Brücke 1776 wurde vermutlich auch der See gestaltet, dessen lang gezogene Form im Wesentlichen einem bereits vorhandenen Altarm der Mulde entsprach.

1780, zum Geburtstag der Fürstin, wird der Vogelherd in "Luisium" umbenannt.
Es beginnt eine intensive Gestaltungsphase, die mit der Anlage des neugotischen Gestüts 1779-81 westlich des Parks auf den ganzheitlichen Gestaltungsansatz, das weitere Umfeld des Parkes einzubeziehen, hinweist. Die Nutzung der angrenzenden Wiesen als Fohlenweide machte die Anlage einer Wallmauer zum Schutz des Parks erforderlich, eine in einen Wall integrierte Mauer, die aus dem Park heraus nicht als Grenze erlebbar war, ein Kunstgriff, der aus englischen Parkanlagen übernommen worden sein könnte, wo das Weidevieh und die Landwirtschaft als malerischer und zugleich ökonomischer Aspekt in die Anlagen integriert waren.
Ab 1782 wurde die Partie auf der Südseite des Schlosses gestaltet: Es entstanden die Grotte, der Pegasusbrunnen und das Blumengartenhaus. Im Wirtschaftsgarten wurde die Orangerie errichtet und in der östlichen Schlossachse das Ensemble der Ruine eines römischen Triumphbogens mit dem Standbild einer verschleierten weiblichen Figur. Die Gestaltungen im östlichen Teil des Parks mit Schlangenhaus und Faun-Brunnen fanden in den 1790er Jahren statt.
Erst nach dem Tod der Fürstin wurden 1815/16 am Wall nach Wörlitz zwei neugotische Eingangspavillons errichtet. (Der Park war erst nach ihrem Tod jederzeit öffentlich zugänglich.)

Ab 1816 ließ der Fürst an die Jonitzer Kirche, dem Endpunkt der südlichen Sichtachse des Schlosses, einen klassizistischen Turm mit Obelisk anbauen. Hier ist das Fürstenpaar 1822 beigesetzt worden. Der Fürst starb 1817 im Luisium. Sein Erbe Herzog Leopold Friedrich kümmerte sich im Sinne seines Großvaters vorbildlich um die Anlage.

1918 dankte das Anhaltische Herzogshaus ab, die Joachim-Ernst-Stiftung wurde zur Bewahrung des kulturellen Erbes gegründet.
Mitte der 1920er Jahre wurde die Obstplantage im Wirtschaftsgarten durch Gartendirektor Hallervorden in einen landschaftlichen Garten umgewandelt.
Die bisherigen gestalterischen Zusammenhänge der Anlage wurden dabei vernachlässigt.

Nach wechselhafter Geschichte in den folgenden Jahrzehnten wurde der Park in den 1950er Jahren der Öffentlichkeit wieder zugänglich, Sichtachsen wurden freigeschnitten, Wege saniert, im Schloss ein Museum eröffnet.
Zu Beginn der 1990er Jahre wurden durch die Kulturstiftung Dessau-Wörlitz Fördermittel für umfangreiche Restaurierungsarbeiten an Gebäuden und im Park eingeworben, ohne die der gegenwärtige Zustand nicht zu erreichen gewesen wäre.

Quelle: Gartenträume, Land Sachsen - Anhalt

Wirtschaftshof im Park Luisium
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