Der Wörlitzer Park
Letztes Update: 01.05.2019
Inmitten des ersten englischen Landschaftsgartens auf dem europäischen Festland finden sich eine Vielzahl von Sehenswürdigkeiten.

Ein System von Sichtachsen verbindet die verschiedenen Gartenteile miteinander und leitet den Blick in die umgebende Landschaft über. Zahlreiche Bauwerke innerhalb und außerhalb der eigentlichen Parkanlagen, Plastiken und Gehölzpflanzungen bilden Ausgangs- und Endpunkte dieser Sichtachsen, die die Grenzen des inneren Gartens bewusst verwischen. Die Schönheit der Natur geht auf wunderbare Weise in die Nützlichkeit der landwirtschaftlichen Flächen mit ihren Obstwiesen und Getreidefeldern über. Viele verschiedene Brücken ermöglichen den Übergang über die zahlreichen Kanäle.

Das Schloss Wörlitz ist ein Gründungsbau des deutschen Klassizismus und wurde für den Fürsten Leopold III. Friedrich Franz nach Entwürfen von Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff errichtet. Von 1769-1773 entstand das Schloss nach dem Vorbild englischer Landhäuser. Es enthält die originale Inneneinrichtung vom Ende des 18. Jahrhunderts. Diese spiegelt die Interessen des Fürsten wider, es finden sich hier antike Plastiken, italienische und niederländische Gemälde und englische Keramiken.

Das Gotische Haus ist eines der beliebtesten Motive im Park. Es zählt zur frühesten und am besten erhaltenen neogotischen Architektur auf dem europäischen Kontinent. Es wurde ab 1773 erbaut und bis zum Jahr 1813 mehrfach erweitert. Im Inneren findet man eine Sammlung von Glasgemälden vom 15. bis zum 17. Jahrhundert, eine neugotische Ausstattung sowie altdeutsche Gemälde von Lucas Cranach, zahlreiche historische Bilder, Waffen und kunsthandwerkliche Objekte.
Das Gotische Haus diente dem Fürsten auch als privates Refugium.

"Der Stein" wurde von 1788 bis 1794 im Auftrage des Fürsten Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau errichtet. Es handelt sich um eine Insel mit Grotten und Gängen, einem künstlichen Vulkan und der Villa Hamilton. Mit der Insel Stein befindet sich in den Wörlitzer Anlagen der einzige künstliche Vulkan Europas.

Die Villa Hamilton wurde auf dem Stein erbaut. Das Bauwerk ist ein Meisterwerk des Architekten Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff.

Am Rande des Parks befindet sich die Synagoge. Das Gebäude wurde 1789-1790 nach Entwürfen Erdmannsdorffs gebaut. Unter der Synagoge befindet sich ein jüdisches Ritualbad.

Die neugotische Kirche St. Petri wurde zum Ende des 12. Jahrhunderts errichtet. Die ursprünglich romanische Kirche wurde unter Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau zwischen 1804 und 1809 im neugotischen Stil umgebaut.

Der heute zu bestaunende Venustempel, von 1794 bis 1797 errichtet, ersetzte den hölzernen Vorgängerbau von 1774. Dabei handelt sich um einen dorischen Tempel mit einer Statue der Venus Medici. Bunte Glasscheiben beleuchten die unter dem Tempel liegende Grotte.

Das Pantheon wurde nach dem Vorbild des Pantheons in Rom um 1795 nach Plänen von Erdmannsdorff errichtet. Es beinhaltet eine Kanope, Reliefs und Statuen von Anubis, Osiris, Isis und des Harpokrates. Diese wurden von Friedrich Wilhelm Eugen Doell (1750-1816) geschaffen. Außerdem befinden sich im Gebäude antike Statuen des Apollon und der neun Musen. Diese wurden in Italien gekauft.
 
Gotisches Haus - Wörlitzer Park
 
Schloss Wörlitz
Schloss Wörlitz
 
Historische Entwicklung Schloss und Wörlitzer Anlagen

Die Wörlitzer Anlagen sind in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstanden. Die ersten Veränderungen an der etwa hundert Jahre alten barocken Vorgängeranlage begannen 1764 nach der Rückkehr des Fürsten Leopold III. Friedrich Franz von seiner ersten Englandreise. Hier hatte er die entscheidenden Impulse zu Möglichkeiten einer symbolhaften Umsetzung seiner humanistischen, der Aufklärung verpflichteten Ideen in landschaftliche Parkgestaltungen erhalten. Zunächst wurde in unmittelbarer Nachbarschaft des barocken Schlosses ein kleiner Landschaftsgarten angelegt und der Englische Sitz am Schwanenteich errichtet. Ihm gegenüber, am anderen Ufer des Sees, wurde das Nymphaeum als Blick- und Aussichtspunkt zugleich erstellt. Vorher hatte sich hier ein Eiskeller befunden, der nun in die Gestaltung einbezogen wurde.
1768/69 wurde das Barockschloss abgerissen und an dessen Stelle das erste klassizistische Landhaus nach dem Entwurf des Architekten und Freundes Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff errichtet. Von der barocken Gartenanlage wurden die Lindenbosketts, von nun an frei wachsend, übernommen, sie bildeten die tragende Grundstruktur des neuen Schloßgartens.
Eine Gebäudezeile des alten Ortes vor dem Landhaus wurde abgerissen, um Raum für die gewünschte natürliche Wirkung des Bauwerks in freier Landschaft zu gewinnen. Der angrenzende Kirchhof wurde in einen Gartenraum umgestaltet, ein neuer Friedhof am östlichen Ortseingang angelegt.
Zwei aufeinanderfolgende Hochwasserkatastrophen 1770/71 zerstörten die ersten Gestaltungen in den tiefer liegenden Gartenbereichen. Mit den gewonnenen Erfahrungen und den Eindrücken einer zweiten Englandreise wurden die Gestaltungen zwischen 1770 und 1790 erneuert und auf den Garten nördlich des Wörlitzer Sees, später nach dem betreuenden Gärtner, Johann Leopold Ludwig Schoch (1728 - 1793), "Schochs Garten" genannt, weiter ausgedehnt. Dabei waren die bereits geschaffenen Blickpunkte, hier Nymphaeum und Gärtnerhaus (Gotisches Haus, 1773 begonnen), Ausgangspunkte für die weitere Gestaltung der umliegenden Gartenbereiche. In dieser Phase der Entstehungszeit sind stark differenzierte Gartenräume und lange schmale Sichtbeziehungen charakteristisch.
Eine dritte Gestaltungsphase begann in den östlichen Partien der Wörlitzer Anlagen. "Der Fürst verließ sich nun als dilettierender Gestalter bereits auf die in Frankreich und England geschulten Kenntnisse des Gärtnersohns Johann George Schoch (1758-1826), der die neuen Partien im Osten des Gartens ausführen durfte. Vorher hatten sein Vater (...) und die anderen Gärtner eher die Ausführung der vom Fürsten und seinem Freund Erdmannsdorff erdachten Raumkonzeptionen in das Gelände übertragen müssen. Die Gestaltungen Schochs d. J. am Schmalen See und am Großen Walloch unterlagen dem Einfluss der Gärten Lancelot Browns, dessen Ausnutzung der "Capabilities" Schoch in England studiert hatte (...) Alles sollte so wirken, als hätte die Natur diese Gestaltungen wie zufällig entstehen lassen." (L. Trauzettel, Wörlitzer Anlagen - Ein Traum wurde geschaffen In: Das Gartenreich Dessau-Wörlitz, S. 29 f.)
In den bereits fertiggestellten Gartenteilen entstanden inzwischen die ebenfalls von den Reiseeindrücken geprägten zahlreichen Parkarchitekturen Erdmannsdorffs. Die Arbeiten waren um 1800 im Wesentlichen abgeschlossen.
Nach Jahrzehnten der Pflege begann dann eine Zeit des Pflanzens und Sammelns botanischer Besonderheiten. Die kurzlebigen Obstbäume und die Pyramidenpappeln wurden nicht mehr "artgerecht" nachgepflanzt, Modegehölze hielten Einzug. Sie veränderten die Parkräume, die Pflanzenartenzusammensetzung und Stimmungsbilder.
Seit 1982 werden auf der Grundlage eines abgestimmten Handlungskonzeptes gärtnerische Restaurierungsmaßnahmen durchgeführt, deren Ziel es unter anderem ist, die Eigenarten der jeweiligen Einzelgärten wieder herauszuarbeiten und ihre Verknüpfung durch Sichtbeziehungen wiederherzustellen. Einen Schwerpunkt bildet die Nachpflanzung historischer Gehölzarten, insbesondere Obstgehölze.

Quelle: Gartenträume, Land Sachsen - Anhalt
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