Der Sieglitzer Berg
letztes Update: 01.05.2019

In den Jahren nach 1777 ließ Fürst Leopold III. Friedrich Franz an der Elbe nahe des Dorfes Vockerode einen Waldpark anlegen. Er liegt auf einer Anhöhe und umfasst ungefähr 25 Ha. Der Park bezieht auch den natürlichen Wald in die Gestaltung ein. Zur Anlage gehören eine Solitude, ein Küchengebäude und einige Statuen. Die meisten Bauwerke sind nur noch als Ruinen vorhanden.
Der Sieglitzer Berg ist Teil des Dessau-Wörlitzer Gartenreiches, das in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts unter der Regentschaft von Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau (* 1740; † 1817) geschaffen wurde.

 
Sieglitzer Berg, Vockeroder Tor
 
Historische Entwicklung Sieglitzer Berg

Vom 16. Jahrhundert an war der Sieglitzer Berg Holzlieferant und Jagdgebiet der Fürsten von Anhalt. Fürst Leopold hatte hier aufgrund des außerordentlichen Wildreichtums und seiner Jagdleidenschaft bereits Wohnhaus und Scheune für einen Wildfütterer bauen lassen.
Der Wald auf dem Sieglitzer Berg wurde ab 1777 im Bereich eines vorgeschichtlichen Siedlungsplatzes (Wüstung Seuselitz) zu einem landschaftlichen Park umgestaltet. Ausgangssituation war die natürliche Schönheit des Standortes: Seine höhenexponierte Lage mit weitem Blick bis in den Fläming, die hier größtmögliche Nähe zur Elbe, Solitäreichen, die sich in die Gestaltungen einbeziehen ließen.
Die baulichen Gestaltungen begannen 1777 mit der Solitude. Erdmannsdorff hatte den Bau in der Formensprache eines dorischen Tempels entworfen, ganz der Beschaulichkeit des stimmungsvollen Ortes geweiht. Das bukolische Gartenbild wurde durch die etwas abseits stehende Ruinenarchitektur eines "Verfallenen Monumentes" ergänzt. Hier verbargen sich Küche, Keller und die Warmwasserbereitung für das Bad der Solitude. Parallel dazu wurden Fasanerie und Gärtnerhaus gebaut.
In den Folgejahren wurden mythologische Parkstaffagen in den Blickachsen zur Solitude und wegbegleitend geschaffen. Die Wilhelmsvase in einer von der Solitude ausgehenden Sichtachse ließen Fürst Leopold III. Friedrich Franz und Georg Heinrich von Berenhorst 1784/85 zum Gedenken an den im siebenjährigen Krieg gefallenen Freund, Graf Wilhelm von Anhalt, aufstellen.
Die Skulpturengruppe der Diana und des Faun wurden um 1785 am östlichen Ausgang des Waldes platziert. Die Figuren schauten auf den Dianatempel, einem 1775 in klassizistischem Stil erbauten Wachhaus auf dem Wallweg nach Wörlitz.
Die Tore der umzäunten Anlage entstanden ab 1790 kurz nacheinander, zuerst das Dessauer Tor, dann das antikisierende Vockeroder Tor und das mittelalterlich anmutende Burgtor. Damit ist die Gestaltung im wesentlichen abgeschlossen.
Verschiedene heute nicht mehr erhaltene Ausstattungselemente des Parks sind nach gegenwärtig bekannter Quellenlage nicht zu datieren.
Die Blütezeit des Waldparks Sieglitzer Berg ist in dem Zustandsplan der "Der Silitzberg" um 1780 von Rudolf Eyserbeck (1765-1849) anschaulich überliefert.
Die wesentlichen Verluste sind dem Park erst nach dem zweiten Weltkrieg entstanden, als das Gelände militärisch genutzt wurde. Die Solitude stand noch bis 1979/80, dann wurde sie gezielt abgerissen. Der Opferstein wurde 1969 geborgen und in den Wörlitzer Anlagen aufgestellt.
In Rechtsträgerschaft des Staatlichen Forstwirtschaftsbetriebes erfolgte die Parkpflege lange Zeit überwiegend unter forstlichen Gesichtspunkten.
Nach 1990 konnten mit Hilfe von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen umfangreiche Bergungs- und Aufräumungsarbeiten durchgeführt werden. Es wurde im Gehölzbestand und in den Sichten gearbeitet, Wege wurden wiederhergestellt, die Tore restauriert, Kopien einzelner Skulpturen wieder aufgestellt.

Quelle: Gartenträume, Land Sachsen - Anhalt
 
restaurierte Skulptur "Faun" auf dem Sieglitzer Berg
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