Marienkirche zu Dessau
Letztes Update: 01.05.2019

Die Marienkirche ist ein ehemaliges Sakralgebäude im Zentrum der Stadt Dessau-Roßlau. Heute, nach ihrem Wiederaufbau, dient sie als Veranstaltungszentrum.

Die erste romanische Marienkirche wurde 1263 geweiht. Am 25. Mai 1506 legte Fürst Ernst von Anhalt-Dessau den Grundstein für den Bau einer neuen gotischen Kirche, die den romanischen Bau ersetzte. Nach dem Tod des Fürsten betrieb seine Gattin Margarethe von Münsterberg die Fertigstellung.

Am 15. Oktober 1523 wurde die Kirche unter Kardinal Erzbischof Albrecht von Mainz und Magdeburg, einem entschiedenen Gegner der Reformation, feierlich eingeweiht.

Jedoch schon am 2. April, Gründonnerstag 1534 wurde das Abendmahl, nach reformatorischem Ritus, in beiderlei Gestalt ausgeteilt. St. Marien gilt seitdem als protestantisch.

Aus Rücksicht auf seine, der katholische Kirche sehr verbundenen, Mutter Margarethe führte Ernsts Nachfolger Georg III. aber den lutherischen Glauben erst nach ihrem Tode in den 1570er Jahren offiziell ein.

Die Kirche wurde 1540/41 eingewölbt und der Westturm von 1551 bis 1554 angebaut. Als Schloss- und Stadtkirche beherbergte Sankt Marien die Grablege der askanischen Fürsten. Heute befinden sich die sterblichen Überreste in der Gruft der Familie von Berenhorst auf dem Friedhof I.

St. Marien wurde durch Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg am 7. März 1945 bis auf die Umfassungsmauern zerstört und brannte vollständig aus.

1967 vereinigten sich die beiden Kirchengemeinden zur Evangelischen Kirchengemeinde St. Johannis und St. Marien. Die Johanniskirche ist seitdem auch für die Gemeindemitglieder aus dem Bereich der Marienkirche Heimstätte zur Ausübung ihres Glaubens geworden.*

Die Ruine der Marienkirche wurde am 1. März 1983 von der Evangelischen Kirchengemeinde St. Johannes und St. Marien an die Stadt Dessau auf 99 Jahre verpachtet. Nach der Wiedervereinigung im Jahre 1990 hat die Stadt mit der Gemeinde einen neuen Vertrag abgeschlossen. Die Kirchengemeinde kann nach diesem Vertrag auf die Veranstaltungen in der Marienkirche in Form eines Vetorechts Einfluss nehmen und so den Grundcharakter des Gebäudes schützen und bewahren. Im Zeitraum von 1989 bis 1998 wurde die Marienkirche wieder aufgebaut, um seitdem als öffentlicher Veranstaltungsraum für Konzerte, Theateraufführungen, Sonderausstellungen und sonstige kulturelle Zwecke wie dem alljährlichen Kurt-Weill-Fest oder dem kunsthandwerklichen Adventsmarkt zu fungieren.

Quelle: Wikipedia
http://www.johanniskirche-dessau.de/kirchen/St.-Marien.html

In der Fürstengruft der Kirche wurden unter anderem bestattet:

Georg III., Fürst von Anhalt-Dessau

"der Gottselige"
* 15. August 1507 in Dessau
† 17. Oktober 1553 in Dessau

Landesfürst von Anhalt-Dessau, katholischer Priester und evangelischer Reformator. Er verstarb unverheiratet am 17. Oktober 1553 auf dem Dessauer Schloss und wurde zwei Tage darauf in Anwesenheit Melanchthons in der Marienkirche beigesetzt.

Joachim Ernst, Fürst von Anhalt

* 20. Oktober 1536 in Dessau
† 6. Dezember 1586 in Dessau

Leopold I., Fürst von Anhalt-Dessau, "Der Alte Dessauer"

* 3. Juli 1676 in Dessau
† 9. April 1747 in Dessau

souveräner Fürst von Anhalt-Dessau
der erste wichtige preußische Heeresreformer, einer der populärsten preußischen Generäle

Joachim Ernst II. von Anhalt-Dessau
* 28. Juli 1592 in Dessau
† 28. Mai 1615 in Dessau

Erbprinz von Anhalt-Dessau

Dorothea von Pfalz-Simmern
* 6. Januar 1581 in Kaiserslautern
† 18. September 1631 in Sandersleben

Pfalzgräfin von Simmern und durch Heirat Fürstin von Anhalt-Dessau

Prinzessin Sibylle Christine von Anhalt-Dessau
* 10. Juni 1603 in Dessau
† 11. Februar 1686 in Hanau

Tochter des Fürsten Johann Georg I. von Anhalt-Dessau Dorothea von Pfalz-Simmern

Marie Eleonore von Anhalt-Dessau
* 14. März 1671 in Dessau
† 18. Mai 1756 in Dessau

Prinzessin von Anhalt-Dessau aus dem Hause der Askanier

Gisela Agnes von Anhalt-Köthen
* 21. September 1722 in Köthen
† 20. April 1751 in Dessau

Prinzessin von Anhalt-Köthen und durch Heirat Fürstin von Anhalt-Dessau


Bis 1898 wurden die meisten Mitglieder des Fürstenhauses von Anhalt-Dessau in der Kirche St. Marien beigesetzt.
Die Kirche wurde während des Zweiten Weltkriegs schwer beschädigt und die Gräber kurz darauf geplündert.
Die sterblichen Überreste der Fürstenfamilie wurden in die Gruft zu Berenhorst auf Friedhof I in Dessau umgebettet.

siehe: http://homepage.mac.com/crowns/anhalt/avgal.html

Anmerkung 1:
Nach 1945 wurden in St. Marien alle Särge aufgebrochen und die Gebeine der Toten heraus- und herumgeworfen. Zuerst wurde die Krypta geplündert. Meine Vorgänger haben die geschändeten Gebeine der fürstlichen Familie aus der Krypta in den zu ihrer Zeit noch sicher erscheinenden Turmraum umgebettet. Den Alten Dessauer hat Pfarrer Werner Lange 1945 im Handwagen nach Törten transportiert und ihn an unbekannter Stelle erdbestattet. Als ich 1966 Pastor an St. Johannis wurde - und ab 1.1.1967 von St. Johannis und St. Marien - wurde in St. Marien ständig eingebrochen. Die Volkspolizei meldete mir die Einbrüche. Die Stadt wollte oder konnte die Totenruhe nicht sichern. Um der Schändung der Toten ein Ende zu bereiten, habe ich am 8.3.1968 mit Mitarbeitern des Friedhofs die sterblichen Überreste eingesammelt und in Holzsärge gelegt, die St. Johannis und St. Marien bezahlt hat. Diese Särge haben wir in die Berenhorst’sche Gruft auf Friedhof 1 gestellt. Die damalige Stadtverwaltung hat uns genötigt, die Aktion früh um 5 Uhr zu beginnen, damit die Öffentlichkeit ausgeschlossen wurde. Es war eines der schrecklichsten Erlebnisse meines Lebens.

Alfred Radeloff


Infos hier

Georg Heinrich von Berenhorst

* 26.10.1733 in Sandersleben
+ 30.10.1814 in Dessau

Bedeutendster Militärtheoretiker seiner Zeit
Er war der Sohn des legendären Generalfeldmarschalls und Fürsten Leopold I von Anhalt-Dessau, des "Alten Dessauer".

 
Marienkirche zu Dessau, mit Denkmal des Alten Dessauer
Quelle: M_H.DE
 
Abendveranstaltung in der Marienkirche
 
Baugeschichte der Schloß- und Stadtkirche St. Marien

Der Vorgängerbau der heutigen Marienkirche, 1263 erstmals erwähnt, dürfte bereits mit der Gründung der städtischen Siedlung um 1180 entstanden sein. Siegeldarstellungen zeigen einen romanischen Saalbau mit ausgeschiedener Apsis und zinnenbekröntem Westturm. Reste des aufgehenden Mauerwerks aus Raseneisensteinen sind an Nahtstelle von Turm und Schiff der heutigen Kirche noch sichtbar. Den Stadtbrand von 1467 überstand die Kirche unversehrt, am 25. Mai 1506 dann erfolgte die Grundsteinlegung für einen größeren und repräsentativeren Bau in der fürstlichen Residenzstadt. Baumeister der entstehenden Backsteinhallenkirche war der aus Halle stammende Ratszimmermeister Ulrich von Schmiedeberg. Um das vorhandene Kirchenschiff zunächst noch nutzen zu können, wurde mit dem Neubau nicht beim Chor, sondern am südwestlichen Eckstrebepfeiler der Halle begonnen. Beim Tod des Fürsten Ernst 1516 war der Bau noch unvollendet. Unter dessen Witwe, Fürstin Margarete von Anhalt, wurde der Bau, der zunächst eine flache Holzdecke besaß, am 15. Oktober 1523 geweiht. 1540-1541 erfolgte die Einwölbung unter Leitung des ebenfalls aus Halle stammenden Steinmetzmeisters Ludwig Binder. Der Schlußstein des Gewölbes wurde durch den Steinmetzen Melcher Wilde eingefügt, dessen hauptsächliche Mitwirkung an der gesamten Einwölbung als gesichert gelten kann. Die Ausmalung der Gewölbezwickel besorgte Benedict Summerstein aus Wittenberg.
Der alte Turm, den man 1550 nur aufstocken wollte, stürzte unter der zusätzlichen Auflast noch im selben Jahr ein und beschädigte dabei den Westgiebel der Halle. Von 1551-1554 wurde daraufhin der Turm mit seiner geschweiften Haube von Ludwig Binder neu errichtet, der Westgiebel erhielt seine Bekrönung aus Blendmaßwerksegmenten.
Bauliche Eingriffe im Innern der Kirche gab es während des 18. Jh. Zusätzlich zu den bereits vorhandenen Grüften im mittleren Bereich und im Chor entstand 1738 eine weitere Gruftanlage unter dem Mittelschiff. 1779-1784 wurde der Kircheninnenraum unter Leitung des Baumeisters Georg Christoph Hesekiel in Formen der anglisierenden Gotik umgestaltet. 1794 erfolgte der Einbau einer weiteren Gruftanlage im Bereich der Ostwand des Turmes.
1848-1850 wurde das Untergeschoß des Westturmes als Gruftanlage für die herzogliche Familie nach Entwurf und unter Leitung des Baumeisters Friedrich Kretschmar hergerichtet. Unter Kretschmars Leitung wurde auch 1856 eine umfassende Renovierung des Kircheninneren durchgeführt. Vermutlich in diesem Zusammenhang wurden dem Süd- und Nordportal der Halle Anbauten als Windfänge angefügt, die zunächst ein schlichtes Satteldach erhielten und später dann mit Blendgiebeln versehen wurden.
1906 erfolgte eine erneute umfassende Restaurierung des Kircheninneren unter Leitung der Herzoglichen Bauverwaltung. Dabei wurden u.a. die inzwischen übertünchten Gewölbemalereien von Summerstein freigelegt und restauriert. 1909-1910 fand die Restaurierung des Außenbaus statt. Man nahm den schadhaft gewordenen Putz ab und beließ die Außenwände von Turmunterbau und Hallenkirche steinsichtig. Lediglich die Fensterlaibungen des Schiffs und das Turmoktogon wurden neu verputzt - ob das Äußere des Kirchenbaus ursprünglich steinsichtig war oder, wie auf einem Gemälde von 1556 dargestellt, hell verputzt bzw. zumindest mit einem Kalkanstrich versehen, ist unklar.
Im II. Weltkrieg wurde die Marienkirche 1945 zerstört. (han)

Baugeschichte der Schloß- und Stadtkirche St. Marien in Dessau, Meixner, L.;
Quelle: Denkmale in Raum und Zeit, 2002

Standort in der IRB-Bibliothek: DEIRB 16/2002-49

 

Zerstörung und Schicksal bis zum Wiederaufbau

Beim schwersten Luftangriff des II. Weltkriegs auf Dessau am 7. März 1945 wurde die Marienkirche durch Brand bis auf die Umfassungsmauern von Turm, Langhaus und den beiden querhausartigen Aufbauten, die Mittelschiffspfeiler, das Gewölbe im südlichen Querhausansatz, die Untergeschosse der Querhausansätze, den Fürsteneingang sowie den Gruftraum des Turms und die Gruftanlagen im Chor sowie im nördlichen Chorumgangsbereich zerstört.
Im Rahmen der Beräumungsarbeiten, die 1951 begannen, mußten die noch verbliebenen Gewölbereste in den Seitenschiffen abgetragen werden. 1953 erfolgte die Sicherung des Oktogons mit einer Notbedachung, der südliche Querhausansatz erhielt ebenfalls ein Notdach. Die Zeit von 1959 bis ca. 1980 war in bezug auf das weitere Schicksal der Kirche von folgenden Vorhaben geprägt: dem Abbruch der Ruine, deren Erhaltung und Konservierung als Mahnmal gegen den Krieg und schließlich dem Wiederaufbau der Kirche für Archivzwecke. 1983 überließ die Ev. Landeskirche Anhalts den Bau der Stadt Dessau.*

Der Wiederaufbau:
1990 wurde am Turm mit dem Betonieren der Zwischendecken an den Stellen der ehem. Holzbalkendecken begonnen. Das desolate Mauerwerk des Oktogons wurde ausgebessert.
Die Turmhaube, deren Grobfertigstellung ebenerdig erfolgt war, wurde 1991 mit einem Spezialkran aufgebracht. Im selben Jahr wurden Erdreich und Schutt oberhalb der Grüfte abgetragen, die zerstörten Gewölbeteile der Mittelschiffsgruft wiederhergestellt und die Gruftdecken durch eine stabilisierende Betonschicht statisch- konstruktiv gesichert. Nach umfangreicher Untersuchung des Turmmauerwerks begann dessen statisch-konstruktive Sicherung. Türen und Fenster wurden in die Turmgeschosse eingesetzt und der Innenausbau für die museale Nutzung wurde vorgenommen.
1992 wurden der Turmumgang instandgesetzt (die Holzbalustrade hat man aus Sicherheitsgründen durch eine steinerne ersetzt) und die Restaurierung des Westgiebels vollendet. Wasserspeier als Attrappen erhielten die Form stilisierter Tierköpfe. Nachdem in der Laterne eine neu gegossene Uhrglocke angehängt worden war, wurde die Turmuhr - nunmehr funkgesteuert - in Gang gesetzt. Vom Sommer 1992, als die Wiederherstellung des Turmmauerwerks weitgehend abgeschlossen war, wurde bis zum Sommer des folgenden Jahres die Instandsetzung des Außenmauerwerks der übrigen Bauteile durchgeführt. Dabei mußten die oberen Schichten des desolaten Mauerwerks abgenommen und unter Verwendung intakter Ziegel neu aufgebaut werden. Noch 1992 mußte das einsturzbedrohte Sterngewölbe des südlichen Querhausansatzes abgetragen werden - aufgrund der Dokumentation ist hier eine Wiederherstellung möglich. 1993 erfolgte im Einvernehmen mit der Denkmalpflege der Abbruch des aus dem 19. Jh. stammenden und mittlerweile ebenfalls einsturzgefährdeten Vorbaus vor dem Nordeingang zur Freilegung des Portals. Im September 1993 wurde der Turm als Außenstelle des Dessauer Stadtgeschichtsmuseums seiner Bestimmung übergeben. Im Monat darauf begann die Errichtung des aus vorgefertigten Holzleimbindern bestehenden Dachstuhls der Halle zeitgleich mit der Aufmauerung der Ziergiebel auf den Querhausansätzen.
1994 wurden der Dachreiter aufgesetzt und das Dach eingedeckt. Im Oktober 1994 begann man mit der Wiederherstellung des Fenstermaßwerkes. 1995 wurde mit der Dacheindeckung der Treppenhäuser an den Querhausansätzen, der Restaurierung des ehemaligen Fürsteneingangs sowie der Wiederherstellung des Fenstermaßwerks und der Verglasung der Außenbau fertiggestellt. Im Innern wurde eine flache Holzdecke eingezogen. Der erfolgte Fernwärmeanschluß ermöglicht eine ständige Beheizbarkeit der Kirche.
Derzeit wird das Innere der Kirche so hergerichtet, daß die bisherige interimistitische Nutzung für Veranstaltungen durch eine ständige für Ausstellungen und Veranstaltungen ersetzt werden kann. Dies betrifft den Einbau von Sanitäranlagen und die Verlegung des Hauptzugangs der Kirche, der vom Nordportal des Turmes über den ehemaligen Gruftraum erfolgen wird. Das Kircheninnere wird vorläufig in seinem rohbauhaften Zustand belassen, um die Geschichte des Baudenkmals anschaulich werden zu lassen.

Quelle:
Zerstörung und Wiederaufbau der Schloß- und Stadtkirche St. Marien in Dessau
Meixner, L.;
Quelle: Denkmale in Raum und Zeit, 2002

Standort in der IRB-Bibliothek: DEIRB 16/2002-49

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