Sterbende Schäferin

Letztes Update: 03.05.2019

Inmitten des Beckerbruchs, unweit von Elbe und Kornhaus, findet man die Skulptur der Schlafenden Schäferin. Nach dem Hochwasser von 2002 nahm sie ihren jetzigen Platz (wieder) ein.

Die Legende der sterbenden Schäferin
Thycris, eine schöne Schäferin, lebte an den Ufern der Elbe. Nicht weit von ihrer Hütte stand die des Fischers Phintias. Mit ihrer Mutter Baucis ernährte sie sich von einer kleinen Schafherde, die sie allmorgendlich im Sommer auf die saftigen Wiesen des Streitwerders trieb. Im Winter verspannen die beiden Frauen die Wolle und verkauften sie in der naheliegenden Stadt.
Kurz geschürzt, die schlanken Füße mit reich verschnürten Sandalen versehen, ging das Mädchen wieder an einem herrlichen Sommermorgen mit ihren fünf Schafen fröhlich singend auf die Weide. Als sie an dem heidnischen Altar in den Streitwerder einbog, stand dort wie jeden Morgen der Fischer Phintias, und wie jeden Morgen blies er, sie verliebt ansehend, auf seiner Schalmei ein zärtliches Lied.
In strahlender Pracht zog der Sommermorgen vorüber. Zur Mittagsrast setzte sich das Mädchen auf ihren Lieblingsplatz, unter den vier Silberpappeln. In süße Träumerei versunken, sah sie vor sich auf dem silbernen Elbestrom die weißen Segel der Schiffe vorbeiziehen, während vom Kornhaus herüber die Schalmei des Fischers Phintias tönte.
So achtete sie nicht darauf, dass eine Schlange sich behende heranschlich und mit einem schnellen Biss ihr den giftigen Tod gab. Jämmerlich blökend zogen ihre Schafe abends ohne sie heim in den Stall. Als sie an Phintias vorüberkamen, der wie immer auf seine Liebste am Altar wartete, wusste er, dass etwas geschehen sein musste.
Voll bangen Entsetzens eilte er zu Thycris´ Silberpappeln, und was musste er dort sehen? Entseelt lag das schöne Mädchen unter den Bäumen. Der Anblick brach sein Herz. Leben ohne sie konnte er nicht, und so suchte er den Tod in der Elbe.
Als die Hirten und Fischer der Elbufer von dem Tod der beiden erfuhren, war ihr Leid groß. Den Leichnam des Mädchens begruben sie unter den Silberpappeln und ließen in Stein die schöne Gestalt darauf setzen, so wie sie im Augenblick des Bisses zusammengebrochen war.
Den Fischer gaben sie am Ufer des Hafens ein Grab.
Noch heute hören wir im Gesang der Nachtigallen ein Klagelied heraus, dass den Tod der beiden besingt.
 
Thycris, die schöne aber sterbende Schäferin
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