Fürstengrab auf den Ziebigker Friedhof
Letztes Update: 01.05.2019

Aus politischen Gründen wurden die Särge 1958 in einer Nacht- und Nebelaktion aus dem Mausoleum entfernt und die Gebeine in ein gemeinsames unbenanntes Grab auf dem Ziebigker Friedhof verbracht.
Dort ruhen die sterblichen Überreste der Mitglieder der herzoglichen Familie:

Herzog Leopold Friedrich I. Franz Nikolaus von Anhalt
* 29. April 1831 in Dessau
† 24. Januar 1904 in Ballenstedt
aus dem Haus der Askanier war als Friedrich I. von 1871 bis 1904 Herzog von Anhalt

Herzogin Antoinette von Sachsen-Altenburg
Gemahlin von Herzog Friedrich I.
* 17. April 1838 in Bamberg
† 13. Oktober 1908 in Berchtesgaden

Herzog Friedrich II.
Leopold Friedrich Eduard Karl Alexander, Herzog von Anhalt
* 19. August 1856 in Dessau
† 21. April 1918 auf Schloss Ballenstedt
war ein deutscher Landesfürst aus dem Geschlecht der Askanier. Er wurde als Sohn Herzog Friedrichs I. in Dessau geboren. Von 1904 bis 1918 regierte er als Herzog von Anhalt.

Herzogin von Anhalt, Marie von Baden
Gemahlin von Herzog Friedrich II.
(1865 - 1939)

Herzog Eduard
Eduard Georg Wilhelm Maximilian
* 18. April 1861 in Dessau
† 13. September 1918 in Berchtesgaden
war für wenige Monate im Jahr 1918 Herzog von Anhalt
Er war der Sohn Friedrichs I. und 1918 für wenige Monate Herzog von Anhalt. Am 6. Februar 1895 heiratete er Luise, Tochter des Prinzen Moritz von Sachsen-Altenburg. Er folgte seinem im April gestorbenen Bruder Friedrich II., starb aber selbst nach nur kurzer Regentschaft. Nachfolger wurde sein unmündiger Sohn Joachim Ernst unter der Vormundschaft von Aribert von Anhalt.

 

Im Jahre 2011 bietet das Grab der Fürstenfamilie dieses traurige Bild.

Ihrer würdigen Grabstätte im Jahre 1958 auf fragwürdige Weise beraubt gibt es hier auf dem Friedhof nicht einmal einen Gedenkstein. Das schlichte Holzkreuz ziert lediglich ein handgeschriebener Schriftzug "Herzogl. Familie von Anhalt".
 
"Gedenkstein Herzogliche Familie"
 
Aufbahrung von Herzog Eduard am 20. September 1918 in der Marienkirche zu Dessau
 
Friedrich II. Herzog von Anhalt 1856-1918
 
Nachdem im Jahre 2015 die Mitglieder des Fürstenhauses welche aus der Kirche auf den Historischen Friedhof (Gruft der Familie von Beerenhorst) verbracht worden waren hierher zurückkehrten, steht nun auch die Rücküberführung jener Personen bevor, welche aus dem herzöglichen Mausoläum auf den Ziebigker Friedhof umgebettet worden waren.
Beide Grabstätten wurden von den kommunistischen Machthabern zu DDR Zeiten angelegt und waren der Bevölkerung waren weitgehend unbekannt; außerdem stellten sich in einem außerst unwürdigen Zustand dar.
 

Aus politischen Gründen wurden die Särge 1958 in einer Nacht- und Nebelaktion aus dem Mausoleum entfernt und die Gebeine in ein gemeinsames unbenanntes Grab auf dem Ziebigker Friedhof verbracht.
Dort ruhten die sterblichen Überreste der Mitglieder der herzoglichen Familie bis zum Jahre 2019: Herzog Leopold Friedrich I. Franz Nikolaus von Anhalt, 1831-1904; Herzogin Antoinette von Sachsen-Altenburg, Gemahlin von Herzog Friedrich I., 1838 - 1908; Herzog Friedrich II. Leopold Friedrich Eduard Karl Alexander, Herzog von Anhalt, 1856 - 1918; Herzogin von Anhalt, Marie von Baden, Gemahlin von Herzog Friedrich II., 1865 - 1939; Herzog Eduard Eduard Georg Wilhelm Maximilian, 1861 - 1918

 

Dazu schrieb mir Alfred Radeloff folgende Zeilen:

Nach 1945 wurden in St. Marien alle Särge aufgebrochen und die Gebeine der Toten heraus- und herumgeworfen. Zuerst wurde die Krypta geplündert. Meine Vorgänger haben die geschändeten Gebeine der fürstlichen Familie aus der Krypta in den zu ihrer Zeit noch sicher erscheinenden Turmraum umgebettet. Den Alten Dessauer hat Pfarrer Werner Lange 1945 im Handwagen nach Törten transportiert und ihn an unbekannter Stelle erdbestattet. Als ich 1966 Pastor an St. Johannis wurde - und ab 1.1.1967 von St. Johannis und St. Marien - wurde in St. Marien ständig eingebrochen. Die Volkspolizei meldete mir die Einbrüche. Die Stadt wollte oder konnte die Totenruhe nicht sichern. Um der Schändung der Toten ein Ende zu bereiten, habe ich am 8.3.1968 mit Mitarbeitern des Friedhofs die sterblichen Überreste eingesammelt und in Holzsärge gelegt, die St. Johannis und St. Marien bezahlt hat. Diese Särge haben wir in die Berenhorst’sche Gruft auf Friedhof 1 gestellt. Die damalige Stadtverwaltung hat uns genötigt, die Aktion früh um 5 Uhr zu beginnen, damit die Öffentlichkeit ausgeschlossen wurde. Es war eines der schrecklichsten Erlebnisse meines Lebens.

Alfred Radeloff

 

Verwahrlostes Grab der Herzöge von Anhalt Landesregierung schlägt Runden Tisch vor

Quelle: MZ Dessau - Christian Eger - 28.11.2018

Wer ist verantwortlich für die verwahrloste Grabstätte der herzoglichen Familie in Dessau-Ziebigk, für die Brache ohne Grabstein und Würde? Die Stadt Dessau, die Landeskirche, der Staat Sachsen-Anhalt, die Familie von Anhalt?

Bei Nachfragen geht es zu wie bei einem Mikado-Spiel: Niemand will eine Bewegung erzeugen, die in Zugzwang versetzen könnte. Aber wer ist hier der Verursacher? Und nach mehr als 60 Jahren: Ist das überhaupt die richtige Frage?

Es war nicht die Stadt, sondern die Anhaltische Landeskirche, die Anfang der 1950er Jahre die Initiative ergriff, um mit einer Umbettung der Toten aus dem 1945 teilzerstörten Herzoglichen Mausoleum dem von staatlicher Seite ungebremsten Vandalismus Einhalt zu gebieten.

Laut einer Mitteilung der „Kirchengeschichtlichen Kammer“ hätten die Amtsträger vergeblich bei der Stadt und Polizei um die Garantie der Totenruhe gebeten, deren Störung ein Straftatbestand ist, an dessen Ahndung die sozialistische Stadtführung aber kein Interesse hatte.

Bei der vom Landeskirchenrat beschlossenen Umbettung soll es um eine Rettung gegangen sein, darum „die Würde des Menschen in seiner Gottesebenbildlichkeit zu wahren“.

Herr des Verfahrens blieb immer die Stadt. In einer Ratsvorlage vom 13. März 1952 wurde das Angebot des Landeskirchenrates notiert, „sämtliche Särge auf Kosten der Kirche zu entfernen und auf einem durch die Stadt bereitzustellenden Platz beizusetzen“. Vorgeschlagen wurde der städtische Friedhof in Dessau-Ziebigk.

Das Dezernat „Aufbau“ befürwortete den Wunsch und schlug dem Rat der Stadt vor, „dem Antrag des evangelischen Landeskirchenrats Dessau stattzugeben“. Dieser Satz wurde im Dokument durchgestrichen und handschriftlich durch die Mitteilung ergänzt: „Die Friedhofsverwaltung Friedhof I beauftragt, die Särge baldmöglichst zu überführen und dort beizusetzen.“

Das sollte noch Jahre dauern. Den Termin bestimmte die Stadt. Im Morgengrauen des 4. Juni 1958 wurden die zehn Toten, darunter drei Herzöge, in Särgen aus dem Mausoleum entfernt und auf Leichenwagen zum Friedhof gebracht, wo sie vom Ziebigker Pfarrer Martin Müller eingesegnet und beigesetzt wurden.

Die Öffentlichkeit wurde nicht informiert. Staatliche Akten wurden vernichtet. Das Gräberfeld blieb anonym, wurde aber über Jahrzehnte von Privatpersonen gepflegt. Heute ist die Grabstätte eine verödete Fläche.

Soll das so bleiben? Alfred Radeloff reagierte sofort. Der Dessauer Ehrenbürger und ehemalige Kreisoberpfarrer schrieb einen Leserbrief an die MZ. Von einem „Massengrab“ könne keine Rede sein. Und das Haus Anhalt und die Stadt Dessau hätten „miteinander zu sprechen“.

Ein Treffen mit Alfred Radeloff ist schnell vereinbart. Der 85-Jährige, der von 1957 an im Dienst der Anhaltischen Landeskirche stand, wiederholt seine Kritik am Begriff „Massengrab“ - ein Wort, das Eduard von Anhalt gebraucht, der die Grabstätte nicht anerkennt, um eine Rückführung der Toten ins Mausoleum zu erwirken.

Die Toten, sagt Radeloff, wurden in zehn Einzelgräbern nebeneinander beigesetzt, fünf links, fünf rechts. Noch lange seien Fassungen der Gräber zu erkennen gewesen, die Jahre unter Efeudecken lagen.

Das ist lange her. Was nicht als Massengrab angelegt war, erweckt heute genau diesen Anschein. Kein Stein, keine Markierungen. Wer auf die Freifläche tritt, um zum verwitterten Holzkreuz zu gehen, stört bereits die Totenruhe. „Die Menschen“, sagt Radeloff, „laufen über die Gräber hinweg.“ Kann die Kirche helfen?

„Der Zustand ist furchtbar“, teilt der anhaltische Kirchenpräsident Joachim Liebig zur Grabstätte mit, in der mit den drei Herzögen auch drei Oberhäupter der Landeskirche ruhen.

 

Verwahrloste Herzogsgräber Gebeine sollen in Marienkirche umgebettet werden

Quelle: MZ Dessau - Christian Eger - 09.01.2019

Dessau-Rosslau - Es ging dann doch schneller als erwartet. Nur zwei Wochen dauerte es, um Lösungsvorschläge für ein 60 Jahre währendes Ärgernis zu unterbreiten: die rechtlich willkürliche Umbettung von zehn Mitgliedern des anhaltischen Herzogshauses aus dem 1947 enteigneten Mausoleum auf den kommunalen Friedhof von Dessau-Ziebigk. 1958 auf Weisung der Stadt Dessau angelegt, war die Grabstätte über die DDR-Jahrzehnte anonym geblieben, um immer stärker zu verwahrlosen.

Kein Grab- oder Gedenkstein erklärte den Ort und die Identität der Toten, zu denen drei Herzöge gehören. Der zuletzt mit einem verwitterten, hilflos handschriftlich gekennzeichneten Holzkreuz markierte Ort lag außerhalb jeder rechtlichen Zuständigkeit und öffentlichen Wahrnehmung.

Bis zum Ende des vergangenen Jahres. Nach MZ-Berichten über den Zustand der Grabstätte hatte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) zu einer kleinen Runde in den Landtag in Magdeburg gebeten, um Vorschläge für eine Korrektur der Situation zu diskutieren. Den Toten, deren Familienname ein Teil des Landesnamens ist, soll nach Jahrzehnten eine würdige Ruhe ermöglicht werden.

Mit dem Ministerpräsidenten versammelten sich der Oberbürgermeister von Dessau-Roßlau, Peter Kuras, der Präsident der Anhaltischen Landeskirche, Joachim Liebig, und der Kulturminister Rainer Robra. Eine Runde zunächst ohne die Familie von Anhalt, die aber „rechtzeitig eingebunden“ werden sollte, sobald konkrete Lösungsvorschläge vorlägen, hieß es im Dezember.

Das ist jetzt der Fall. Mit einem Telefonat am Donnerstag vergangener Woche informierte Haseloff die Familie von Anhalt über drei mögliche Optionen. Erstens, die kurzfristige Umbettung der Toten in die restaurierte historische Askanier-Gruft unter dem Mittelschiff der Dessauer Schloss- und Stadtkirche St. Marien. Zweitens, das langfristige Warten auf eine indes sachlich und zeitlich unkalkulierbare Restaurierung des Mausoleums. Sollten beide Varianten ausgeschlossen werden, wäre - drittens - die dauerhaft würdige Gestaltung der Ziebigker Grabstätte notwendig.

Es war der Vorschlag des Ministerpräsidenten, sagt Regierungssprecher Matthias Schuppe, eine eventuelle Umbettung in die Marienkirche zunächst von der Mausoleumsfrage „abzukoppeln“, nämlich der Option, die Toten irgendwann einmal in die Krypta des Mausoleums zurückzuführen. Dessen baulicher Zustand erlaube derzeit keine Beisetzung, heißt es aus Magdeburg.

Am Montag ließ Eduard von Anhalt, als 1941 geborener Sohn des Herzogs heute Chef des Hauses Anhalt, seine Position dem Ministerpräsidenten und den von ihm vertretenen Akteuren mitteilen. Demnach deuten die Zeichen in Richtung Marienkirche. „Alle Beteiligten haben grundsätzlich Bereitschaft signalisiert, die vorgeschlagene Lösung Marienkirche weiter zu verfolgen“, sagt Regierungssprecher Schuppe. Ministerpräsident Haseloff erklärt: „Mit der Umbettung auch der sterblichen Überreste aus Dessau-Ziebigk würde eine Rückführung an einen authentischen Ort und eine Zusammenführung der Familie erreicht werden.“

Tatsächlich wäre die Marienkirche nicht nur ein dynastisch authentischer, sondern in Sachen Askanier-Rückführung auch ein erprobter Ort. Bereits im Dezember 2014 waren auf Initiative des Dessauer Kreisoberpfarrers Alfred Radeloff die sterblichen Überreste von zehn Askaniern in die Gruft der Schlosskirche überführt worden. 1968 vor Vandalismus aus der kriegszerstörten Kirche gerettet, waren die Toten - unter denen sich der Fürst Franz-Vater Leopold Maximilian befindet - in die Berenhorst-Gruft auf dem Historischen Friedhof in Dessau transportiert worden.

Feuchtigkeit und Einbrüche setzten den sterblichen Überresten zu, so dass eine neuerliche Rettung notwendig war. Mit einer gottesdienstlichen Feier wurden die in neue Holzsärge gebetteten Toten 2015 in der Hauptgruft der Marienkirche bestattet. Zehn von ursprünglich 52 Angehörigen des Herzogshauses, die bis 1945 in den vier Gruftanlagen der Kirche beigesetzt waren. Platz für die Ziebigker Toten ist vorhanden.

Der ist selbstverständlich auch im Mausoleum gegeben, dessen bauliche Ertüchtigung aber in den Sternen steht. Für eine Sanierung des 1898 von Franz Schwechten vollendeten Sakralbaus seien mindestens 15 Millionen Euro, ein schlüssiges Nutzungskonzept, eine Sanierungsdauer von mindestens fünf bis sechs Jahren und ein Beschluss des Stadtrates notwendig, heißt es aus der Staatskanzlei. Letzteres sei bei der Kirchen-Lösung nicht der Fall.

Die Marienkirche wurde zwar 1992 für 99 Jahre von der Evangelischen Kirche an die Stadt Dessau verpachtet, die Hoheit über die Gruft aber habe die Kirche behalten. Über das weitere konkrete, also sachliche und finanzielle Vorgehen werden sich jetzt die Stadt, die Landeskirche und das Haus Anhalt einigen.

„Es ist wunderbar“, sagt Eduard von Anhalt über den eingeschlagenen Weg. „Das ist gut für mein Herz und meine Seele. Es war unwürdig, die Toten an einem Ort zu belassen, an den sie zwangsversetzt worden waren.“ In der Marienkirche fänden nun die Vorfahren der Familie zusammen. „Und falls die sterblichen Überreste irgendwann einmal, wenn das Mausoleum bezugsfähig sein sollte, in das Mausoleum zurückkehren sollten, wäre auch das wunderbar.“ Er danke dem Ministerpräsidenten, der Stadt Dessau-Roßlau und der Evangelischen Kirche, sagt Eduard von Anhalt. (mz)

 

Besonderes Ereignis In der Marienkirche wird die Mittelgruft geöffnet

Quelle: MZ Dessau - Annette Gens - 26.04.2019

Dessau - Mehrere Monate hat Claudia Kunde auf diesen Moment gewartet. Die Kunsthistorikerin steht am Donnerstag vor der Grabplatte Georg III. von Anhalt (1507–1553) in der Mittelgruft der Dessauer Marienkirche und wartet auf die ungestörten Momente, um die bildhauerische Arbeit in Ruhe betrachten zu können.

Für Kunde gehört diese historische Grabplatte nicht in die Gruft, sondern in das Schiff der Marienkirche. Denn sie ist eines der wertvollsten Zeugnisse Dessaus in Bezug auf die Reformation. Schließlich zeigt die Person Georgs, dass die Reformation im 16. Jahrhundert nicht nur auf Luther und Melanchthon reduziert werden kann. Auch Georg III. von Anhalt hatte sich 1534 für die Einführung der Reformation in Anhalt eingesetzt.

Die Stadtverwaltung hat am Donnerstag die Mittelgruft der Marienkirche seit langer Zeit einmal wieder geöffnet. Aus mehreren Gründen. Zum ersten, um der Kunsthistorikerin Claudia Kunde zu ermöglichen, Studien für ihre Dissertation über Grabgelege in Anhalt voranzutreiben.

Die Gruft wird aber auch denkmalpflegerisch und klimatisch untersucht. Könnte sie die jüngst auf dem Ziebigker Friedhof geborgenen Särge mit den sterblichen Überresten aus dem Hause Anhalt aufnehmen? Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff, Eduard von Anhalt und Dessau-Roßlaus Oberbürgermeister Peter Kuras hatten sich zum Jahresanfang nach MZ-Berichten über den Zustand des Gräberfelds auf dem Ziebigker Friedhof auf die Umbettung der Särge in die Marienkirche verständigt. Die Toten, unter ihnen drei anhaltische Fürsten, waren einst im Mausoleum bestattet. Im Jahr 1958 wurden sie anonym auf den Ziebigker Friedhof verbracht. Das Grab in Ziebigk war ungepflegt. Sein Zustand löste Diskussionen aus.

Aber wo in der Marienkirche ist Platz für viele Särge? „In der nächsten Woche wird unter anderem die selten zugängliche Mittelgruft in Augenschein genommen“, sagt Steffen Kuras, Leiter des städtischen Kulturamtes. Welches Ergebnis am Ende steht, wird dann die Stadt mit Eduard von Anhalt besprechen.

Die sogenannte Altargruft im östlichen Bereich der Kirche ist bei Führungen öfter zugänglich. Die Mittelgruft wurde zum letzten Mal 2012 geöffnet. Anlass war damals die Ausstellung Anhalt-International. Die Exposition erinnerte an die 800 Jahre alte Geschichte Anhalts. Sieben Jahre später, in dieser Woche, wurden erneut die Stühle im Kirchenschiff beiseite geräumt und der Eingang zur Mittelgruft freigelegt. Dessau-Roßlauer können die Gruft am Samstag, 27. April zwischen 10 und 17 Uhr besichtigen. Ansprechpartner stehen für Fragen zur Verfügung.

In der Mittelgruft befinden sich u.a. Steinplatten von Grablegen anhaltischer Herrscher an den Wänden. Im Boden sind - von außen nicht sichtbar, sondern versiegelt - eine zinnerne Truhe mit weiteren sterblichen Überresten und zwei Kästchen, die nur wenig Asche enthielten. Das wurde bereits um das Jahr 1850 herum untersucht.

Die Marienkirche ist die ehemalige Schloss- und Stadtkirche. Im Mai 1506 wurde der Grundstein für das Gotteshaus gelegt. Als Schloss- und Stadtkirche beherbergte St. Marien die Grablege der askanischen Fürsten bis zum Neubau des Mausoleums im heutigen Tierpark Dessau vor 120 Jahren. St. Marien besaß drei Grüfte. Das Gebäude wurde im Laufe der Jahrhunderte immer wieder verändert. Den Bau der Mittelgruft zum Beispiel soll der Alte Dessauer veranlasst haben. Dort soll bis nach dem Zweiten Weltkrieg sein Sarg auf der Grabplatte von Georg III. gestanden haben. Wo die sterblichen Überreste des anhaltischen Reformators Georg liegen, ist allerdings ungewiss.

››Sonnabend 27. April, kann neben der Altargruft auch die Mittelgruft der Marienkirche zwischen 10 bis 17 Uhr besichtigt werden. (mz)

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