Die erste gemeinsame Nacht
Letztes Update: 06.09.2019

Schon sehr lange hatte er auf sie gewartet, saß auf der Terrasse, trank ein Glas Wein und rauchte viele Zigaretten. Sie wollte nur mal eben eine Freundin besuchen die einen Rat braucht, wollte bald wieder da sein. Und am Telefon geht sowas ja nicht… Aber die Zeit verging und sie wollte einfach nicht wieder auftauchen. Mehrmals hatte er den Schlüssel in der Hand, wollte einfach gehen, die Tür hinter sich schließen, und Schluss. Aber er konnte das nicht, hatten sie sich doch gerade erst kennengelernt, wussten noch nicht, ob sie sich wirklich mögen, und ob noch mehr aus ihnen werden würde.

Stunden waren vergangen, ihn überkam die Müdigkeit - und sicherlich hatte der Wein auch seinen Teil dazu beigetragen. Bei dem einen Glas war es nämlich nicht geblieben. So zog er sich dann zurück ins Wohnzimmer, denn heimgehen wollte er um diese Zeit auch nicht mehr. Er legte sich auf die rustikale Couch, knüllte die winzigen Kissen zusammen um seinen Kopf darauf zu betten und zog schließlich die wundervoll kuschelige Decke über seinen ausgekühlten Körper. Nachdem er die Gedanken in seinem Kopf beiseite geschoben hatte, schlief er schließlich ganz ruhig und entspannt ein.

Wie viel Zeit wohl vergangen war, konnte er nicht mit Gewissheit sagen, aber es war immer noch völlig dunkel im Garten, auch in der Wohnung… Er hatte ganz deutlich ein Geräusch wahrnehmen können, dachte er. Ein Geräusch welches ihm im Schlaf an das klappern von Schlüsseln erinnerte. Ganz langsam erhob er sich. Die Terrassentür war immer noch geschlossen und auch sonst deutete nichts auf die Anwesenheit von ihr oder von sonst einer Person hin. Als er sich umschaute, war jedoch im Türrahmen der Wohnzimmertür die schlanke Silhouette einer Frau zu erahnen, die sich mehr schräg als aufrecht in ihrer Position hielt - ohne jegliche Bewegung erkennen zu lassen.
Um einen Traum oder ein Trugbild auszuschließen, tastete er nach dem Schalter der kleine Lampe, welche auf einem Beistelltisch neben der Couch stand. Im Dunklen ein schwieriges Unterfangen, denn er befand sich in einer ihm eher fremden Umgebung. Endlich hatte er das Teil gefunden und mit einem leisen Klick kam plötzlich etwas von dem fahlen Licht in die finstere Umgebung der kleinen Wohnung.
"Hi", sagte sie und grinste ihn, zugegebenermaßen etwas dümmlich, an. Nach diesem einem Wort war ihm sofort klar, Nachfragen über ihren Abend oder über den Zeitpunkt ihrer Heimkehr würden wohl keinen erschöpfenden Erfolg haben.
So setzte er sich auf und harrte der Dinge die passieren würden.
Langsam, ganz langsam bewegte sie sich von der Tür in die Mitte des schwach beleuchteten Zimmers. Das diffuse Licht schien ihren strahlend blauen Augen in diesem Moment gut zutun, ihr Lächeln war dennoch ziemlich süß. Mit einem Ruck bewegte sich ihr Körper eine Ebene tiefer, so dass sie im Schneidersitz direkt vor ihm zum sitzen kam.
Mit etwas Mühe und deutlich tieferer Stimmlage als sonst, verkündete sie von ihrer Sitzposition aus nach oben blickend, "wir haben Wein getrunken". "Und, meine Freundin hat große Sorgen, konnten wir aber nicht lösen". Alles andere hätte ihn an dieser Stelle auch sehr gewundert. Er dachte bei sich, ach meine Liebe, morgen Früh nach dem Aufstehen wird mit Sicherheit noch jemand Probleme haben…

Jetzt begann sie mit mehr oder weniger großem Geschick, sich von ihrer Jeansjacke zu befreien, die sie ja immer noch zugeknöpfter Weise am Körper trug. Er fragte nicht ob er helfen könne, zu süß waren ihre Bemühungen. Nach einigen Minuten hatte sie die Aufgabe dennoch bewältigt, die nun aufgeknöpfte Jacke lag zu einem Knäuel zusammengerollt direkt neben ihr.

Plötzlich sprudelte es aus ihr heraus und sie musste alles loswerden, alle Probleme von denen sie gehört hatte und die sie offensichtlich belasteten. Und während sie redete, entledigte sie sich nach und nach immer wieder von ihren Kleidungsstücken. Zunächst landeten ihre Söckchen völlig unvermittelt auf dem kleinen Beistelltischchen neben ihm. Umständlich begann sie, sich ihre schwarzen Markenjeans aufzuknöpfen, auf die sie so stolz war. Sie begab sich nun völlig in die horizontale und schaffte es tatsächlich sich mit einen Ruck von ihrer Jeans zu befreien. Mit einem Lächeln warf sie diese in seine Richtung, sodass sie schwungvoll an seiner Schulter hängen blieb. "Da, hast du…" "Danke, aber die wird mir nicht passen, schließlich bin ich mit meinen 185 cm um mindestens 20 cm größer als du, und auch beim Gewicht dürfte ich dich ebenfalls um Längen schlagen." In den Schneidersitz zurückgekehrt meinte sie nur "Ach was", um dann ihrer ausführlichen Bericht fortzusetzen.

Irgendwann, so etwa nach 30 Minuten hatte sie dann beschlossen, dass der Bericht nun zu Ende sein müsste. Sie legte sich direkt vor Ort auf den schneeweißen Flokati und schloss die Augen. Mit der linken Hand nestelte sie an der Couchdecke, die sie dann ganz langsam zu sich herunterzog. Und binnen Minuten war sie eingeschlafen und mit einem beseelten Lächeln im Gesicht lag sie zu seinen, nun unbedeckten, Füßen.

Vergeblich hatte er noch versucht sie davon abzuhalten. "Geh doch lieber in Dein Bett" hatte er noch mehrfach zu ihr gesagt, doch sie schien diesem Platz den Vorzug zu geben. Und obwohl der Flokati ziemlich kuschelig aussah, konnte man doch deutlich die Kühle des Fußbodens spüren. Es war tatsächlich so, er machte sich Sorgen um diese Frau, die er ja eigentlich noch nicht wirklich kannte.

Ziemlich unsicher, was er nun am Besten machen sollte, überlegte er hin und her. Das einzig Richtige in dieser Situation wäre wohl gewesen, sie in ihr Bett zu verfrachten. So fasste er sich ein Herz und setzte das Beschlossene um.
Vorsichtig zog er die Decke beiseite und nahm sie in seine Arme, ganz leicht konnte er sie hochheben. Dabei bewegte sie sich nur ein wenig und legte ihren rechten Arm um seinen Hals. Ihre Zunge glitt langsam über ihre dezent rosarot geschminkten Lippen als wolle sie ihm noch irgendetwas wichtiges mitteilen. Ganz gemächlich trug er sie nun durch das Wohnzimmer, den langen Gang entlang und durch die schmale Tür in ihr Schlafzimmer. Ganz zärtlich legte er sie auf ihr breites, bequemes Bett, welches noch von einer weißen Tagesdecke zugedeckt war. Um sie ordentlich zu Bett bringen zu können, musste sie weg, diese Decke. Er rollte die hübsche junge Frau ganz sanft auf ihre linke Seite, sodass er die Tagesdecke hervorziehen konnte, ebenso ihre warme Zudecke. Das Selbe machte er dann noch einmal in die andere Richtung.
Durch die ganzen Vorbereitungen die er hatte treffen müssen, war ihr schwarzes T-Shirt etwas verrutscht. Es hatte sich einfach nach oben bewegt und gab ihm den Blick frei auf ihren cremefarbigen BH und auf das was dieser so zärtlich zu verbergen suchte, ihre wunderschönen Brüste. Er entdeckte ein kleines herzförmiges Muttermal, an einer Stelle die normalerweise nicht jeder zu Gesicht bekommen würde. Zärtlich zupfte er ihr Shirt wieder zurecht, streichelte dabei wie zufällig ihren flachen Bauch und ihre schmale Taille, irgendwie musste er das in diesem Moment tun. Ganz langsam zog er ihr dann die Bettdecke über ihren anbetungswürdigen Körper, um das zu verhüllen, was er in diesem Moment so gern für sich gehabt hätte.

Er konnte einfach nicht anders, er musste sich neben sie auf das Bett legen, musste sie betrachten, einfach so. Und er konnte sich nicht satt sehen an ihrem wunderschönen Gesicht, auf welches dieses glückselige Lächeln zurückgekehrt war und an ihrem tollen Körper.
Irgendwann hatte auch ihn die Müdigkeit überkommen, er hatte keine Lust mehr fortzugehen, so zog auch er seine Jeans aus und kroch, ohne weiter darüber nachzudenken, mit unter die wohlig warme Decke. Er schlief ein wie ein Baby. Und sie fühlte sich in dieser Nacht von im so sehr angezogen, dass sie sich ganz nah an ihn herankuschelte, die Wärme und die Stärke seines Körpers suchte. Es war so, als hätte das Schicksal in diesem Moment zwei Menschen zusammengeführt.

Irgendwann nach Stunden hörte er in seinen Träumen eine Stimme, eine Stimme die ihm irgendetwas zurief. Immer klarer wurden die Worte, so klar dass er erwachte und direkt in dieses wundervolle Gesicht schaute, welches er in der Nacht stundenlang betrachtete. "Was machst Du hier, wie kommst Du in mein Bett?", und "Wie komme ich da hin…" "Oh Gott, haben wir …" und "Mist, mein Kopf platzt gleich…" "So sag doch was…"

Später, nach einer ziemlich ausgiebigen Dusche, die sie im Übrigen völlig allein nahm, saßen sie gemeinsam beim Kaffee. In ihrem Kopf hämmerte es noch immer ganz gewaltig. Sie konnte an diesem Morgen noch nicht wieder an eine vernünftige Nahrungsaufnahme denken. Der Wein hatte ganz deutliche Spuren hinterlassen.
Aber diese eine Sache schien ihr sehr wichtig zu sein, ging ihr nicht mehr aus dem Kopf. Und so fragte sie noch einige Male, "Sag, haben wir…" Das einzige was er zur Aufklärung beitragen wollte, war der von einem breiten Grinsen begleitete Satz, "Du weißt doch, ein Gentleman genießt und schweigt."

Noch heute, nachdem seit dieser Nacht schon einige Jahre ins Land gegangen sind, erinnert er sich immer noch gern an diese Geschichte. Sie haben in den vergangenen Jahren eine wunderschöne Zeit zusammen gehabt und obwohl er immer wieder einmal danach gefragt wurde, die Wahrheit über "diese Nacht", ihre erste gemeinsame Nacht, erzählte er ihr nie - Ein Gentleman genießt und schweigt eben…

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